Chaos im Kopf: Wie du das Gedankenkarussell stoppst und wieder Boden unter den Füßen findest.
- Nina Harden Lehmann

- 29. März
- 3 Min. Lesezeit
Wie geht es dir?, frage ich Anna.
„In meinem Kopf ist es noch chaotischer als sonst."
Anna setzt sich hin, legt ihre Tasche ab, schaut kurz auf, dann wieder weg. Ihre Hände sind unruhig, ihr Blick springt. Und während sie spricht, wird sie immer schneller.
"Es ist wie ein Karussell, das einfach nicht anhält. Ein Gefühl, als wenn sich alles dreht. Wenn ein Gedanke den nächsten jagt. Und wenn ich nur kurz zur Ruhe kommen will, wird es plötzlich innen noch lauter."
Wenn es sich in deinem Kopf immer schneller dreht: Dein Nervensystem im Alarmmodus
Anna sitzt schon morgens am Tisch mit ihren To Do Listen. Sie muss noch kurz etwas klären. Eine Entscheidung treffen. Eine Sache zu Ende denken. Und dann passiert es:
Ein Gedanke. Noch einer. Noch einer. Und noch einer....
Plötzlich liest sie denselben Satz zweimal. Vergisst, was sie gerade tun wollte. Und dann dieser Druck. Und je mehr du versuchst ruhiger zu werden, desto mehr drehen sich die Gedanken. Selbst nachts wird sie wach und die Gedanken holen sie ein.
Was Anna in diesem Moment erlebt, ist kein bloßes „Grübeln“. Es ist als wenn innerlich ein Alarm laufen würde. Es eine physische Reaktion ihres Nervensystems. Der Körper schaltet auf Überlebensmodus. Das Gehirn glaubt, es bestünde eine akute Gefahr und versucht die Kontrolle zu bekommen. Lösungen zu finden. Alles irgendwie zu ordnen.
Die Folge: Es wird ihr nebelig im Kopf, die Ohren beginnen zu rauschen und ein Schwindelgefühl setzt ein. Anna verliert die Verbindung zu ihrem Körper und den Kontakt zur Erde. Wie in einem echten Karussell geht ihr der Boden unter den Füßen verloren. Wir werden zum hilflosen Passagier in einem Fahrgeschäft, das wir scheinbar nicht mehr kontrollieren können.
Warum "Stoppen" nicht funktioniert
Der erste Impuls ist oft: „Stopp! Ich muss das jetzt sofort anhalten!“ Doch genau hier liegt die Falle. Ein Karussell lässt sich bei hoher Geschwindigkeit nicht abrupt stoppen, ohne dass die Insassen Schaden nehmen. Ein erzwungener Halt erzeugt nur noch mehr Widerstand und Stress.
Der kleine Wendepunkt
Was ich immer wieder erlebe:
In dem Moment, in dem du aufhörst, dagegen anzukämpfen, entspannt sich etwas.
„Ja, es dreht sich gerade schwindelerregend schnell. Ja, ich fühle mich gerade haltlos“
Das klingt erst einmal unspektakulär. Und genau da beginnt sich etwas zu lösen. Dein Nervensystem merkt: Du kämpfst nicht mehr. Und ganz langsam nimmt das Karussell die Geschwindigkeit raus.
Zurück in die Mitte
Stell dir ein Karussell vor. Ein Karussell ist am Rand am schnellsten und instabilsten. Dort reißt uns die Fliehkraft weg. Doch jedes Karussell hat eine Achse – eine Mitte. Dort ist die Bewegung am geringsten. Dort ist Ruhe und du spürst Halt. Dort kannst du innehalten.

Eine einfache Übung für solche Momente: Das „Karteikarten-Karussell“
Wenn dein Kopf zu voll ist, versuch nicht es im Kopf mit noch mehr denken zu ordnen.
Hol es raus aus deinem Kopf.
Nimm dir Karteikarten oder Zettel. Schreibe auf jede Karte einen Gedanken auf, der gerade in deinem Kopf kreist (z. B. „Projekt-Deadline“, „Sorge um X“, „Gefühl von Überforderung“).
Lege diese Karten in einem großen Kreis um dich herum auf den Boden. Schau wieviel Raum du benötigst. Stell dich in die Mitte dieses Kreises.
Schau dich um Atme tief in dein Becken und spüre bewusst deine Fußsohlen auf dem Boden. Mach den Kreis größer, wenn nötig. Nimm wahr: es ist nicht ein großes Chaos. Es sind viele einzelne Dinge die am Rand liegen. Du stehst in der Mitte. Spüre deine Füße. Deinen Atem.
Tritt nun bewusst einen Schritt aus diesem Kreis heraus. Schau von außen auf dein „Gedanken-Karussell“. Was fällt dir auf? Welche Karte wirkt am lautesten? Welche ist eigentlich ganz klein?
Durch dieses Heraustreten verliert das Chaos seine Macht. Nimm dir einen Zettel und kümmere dich um diesen einen Zettel.
Innehalten
Das Gedankenkarussell wird vielleicht nie ganz aufhören, sich ab und zu drehen. Das gehört zum Menschsein dazu. Aber du kannst lernen, nicht mehr am Rand hin und her zu schleudern, sondern langsamer zu werden und den Schritt in deine Mitte zu gehen. Und die Energie bewusst nach unten zu lenken– weg vom lauten Kopf, hin zum spürenden Körper. So wie Anna.
Wenn du merkst, dass du alleine das Karussell nicht anhalten kannst und du dir mehr Halt in dir wünscht, dann begleite ich dich gerne dabei. Schreib mir für ein kostenloses Kennenlerngespräch



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